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Wie entsteht ein Künstler?

Wie entsteht ein Künstler? Diese Frage rund um das künstlerische Leben ihres Vaters Hans-Ulrich Buchwald (www.hans-ulrich-buchwald.de) beantwortete die Wohltorferin Gundel Zschau-Buchwald zusammen mit ihrem Mann Erich und ihrer Tochter Juliane bei einer ganz besonderen Werkschau.

Die vielen Besucher waren begeistert von dem interessanten Vortrag der Familie und freuen sich schon auf die nächste Werkschau mit anderen Exponaten des Künstlers.

Lesen Sie in einem Artikel der Bergedorfer Zeitung

Text von Stephanie Rutke/BZ

Wie entsteht ein Künstler?

Es ist eine Mammutaufgabe, mit der Gundel Zschau-Buchwald (70), Tochter des Künstler Hans-Ulrich Buchwald (1925-2009) und ihr Mann Erich Zschau, Pastor im Ruhestand, seit Monaten beschäftigt sind. “Wir lösen den Nachlass meines Vaters auf”, erklärt Gundel Zschau. Es ist eine Aufgabe angesiedelt irgendwo zwischen Kunst und Wahnsinn, zwischen Schrottplatz und Museum.

Das Werk, das Hans-Ulrich Buchwald hinterlassen hat, ist unglaublich: Es müssen Tausende von Bildern, Objekten und Masken sein, die er in seiner Schaffenszeit produziert hat. Der in Breslau geborene Künstler, der nach dem Krieg und der Vertreibung 1947 in Hannover eine neue Heimat gefunden hat, war ein unermüdlich Schaffender. Er war erst 15 Jahre alt, als er sein Studium an der Breslauer Werkkunstschule begann. Nach dem Krieg studierte er in Hannover weiter und fand viele Anregungen bei Grosz und Picasso, Macke, Marc und Schlemmer.

Acht bis zwölf Stunden täglich hat er seiner Kunst gewidmet. Farbenfrohe Bilder in Aquarell und Acryl, Ölbilder, Holzschnitte, Druckgrafiken und Linolschnitte sind so entstanden. “Er war ein Besessener”, erinnert sich Erich Zschau liebevoll an seinen Schwiegervater. “Mein Vater hatte zunächst in der Brüder-Grimm-Schule in Hannover einen Lagerraum zugewiesen bekommen”, erzählt Gundel Zschau-Buchwald. Als der Platz dort nicht mehr reichte, hat er sich nach und nach die gesamten Lager- und Kellerräume der Schule erobert und mehr als 3000 Quadratmeter mit seinen Werken gefüllt. “Er hat die Schule förmlich unterwandert”, ergänzt ihr Mann.

Nächste Station des immer weiter wachsenden Bestandes war das Landesmuseum Hannover. Hier war Buchwald als Zeichner angestellt und nutzte auch im Museum sämtliche Schubladen, Lager- und Regalflächen, um seine eigenen Arbeiten unterzubringen. “Mein Vater hatte sehr geduldige Museumsdirektoren und Stadtväter um sich”, erinnert sich die Tochter. Doch Ende der 1980er-Jahre war Schluss damit. Ein neuer Museumsdirektor kam und Buchwald wurde in den Vorruhestand versetzt.

Für den Künstler war das natürlich kein Grund, nicht weiterzuarbeiten. Bis heute existiert das Scharniertheater mit seinen übergroßen Masken und Figuren, mit dem Buchwald einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Leben in Hannover beigesteuert hat. Für das Werk des Künstlers mietete die Stadt schließlich Räume an. Obwohl der Bestand bereits um die Hälfte reduziert war, füllte er immer noch 15 Büroräume. Diese mussten jetzt kurzfristig geräumt werden – ein Kraftakt für seine Familie.

Ein kleiner Teil der Masken hat ein neues Zuhause gefunden im Puppentheater Theatrino in Hannover, den Rest haben die Zschau-Buchwalds mit einem Lkw abtransportiert. “Wir haben viel aussortiert und verschenkt und einiges ist im Container gelandet”, erzählt Gundel Zschau-Buchwald. Sie schwankt zwischen Erleichterung darüber, dass der Bestand langsam schrumpft und dem Wunsch, vieles zu behalten. Im neuen Galerieraum in der Alten Tischlerei stapeln sich noch die Kartons. Masken lehnen an der Wand, daneben großformatige Ölbilder. Auf dem Boden liegt eine lebensgroße Holzpuppe mit nur einem Fuß. Den zweiten fischt Gundel Zschau-Buchwald aus einer Kiste und muss lachen. Überall taucht immer wieder etwas Spannendes auf, verbunden mit vielen Erinnerungen. “Ich habe keine Ahnung, in welcher Kiste sich was befindet”, sagt sie zu dieser Schatzsuche. Mit dem neuen Ausstellungsraum ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. “Jetzt sind die Objekte und Bilder in unserer Nähe und wir können ganz neu planen”, freut sie sich.